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„STIFTUNG BÜROZENTRUM“

Wohnen und Arbeiten für Behinderte

von Ruedi Roth

Für körperlich schwer behinderte Menschen mit durchschnittlicher Intelligenz bietet der Computer neue, ungeahnte Möglichkeiten für eine sinnvolle Arbeit im Bürobereich. Diese Erkenntnis stand am Anfang des Weges, der 1988 zur Gründung der heutigen „Stiftung Bürozentrum, Wohnen und Arbeiten für Menschen mit einer Behinderung“ führte. Die zündende Idee kam von den beiden Lehrern Heinz Laeng und Eugen Geisser des Luzerner Schulheims „Rodtegg“ für körperbehinderte Kinder. Die geeigneten Räumlichkeiten fand man in der Liegenschaft an der Gibraltarstrasse 34.

Momentan arbeiten hier, hauptsächlich in den beiden Grossraumbüros im Parterre und im zweiten Stock, 41 Frauen und Männer mit unterschiedlichen Behinderungen meist schwereren Grades. Leute, die ein gewisses Minimum an manueller Geschicklichkeit mitbringen, erledigen öfters Versand- und Verpackungsaufträge. Andere sind reine Computeranwender bzw. –anwenderinnen. Sie führen verschiedene Adresseverwaltungen und Buchhaltungen, schreiben Briefe und erstellen Rechnungen oder interne Formulare. Auch die Bedienung der Telefonzentrale und der Reinigungsdienst sowie der Service in der Cafeteria werden von behinderten Personen wahrgenommen. Die Betreuung am Arbeitsplatz und während der grossen Mittagspause besorgen hingegen nichtbehinderte Angestellte.

Die Kundschaft des Dienstleistungsangebotes der „Stiftung Bürozentrum“ setzt sich aus Klein- und Kleinstfirmen, Vereine, städtische Ämter, Fachstellen und Einzelpersonen zusammen. Allerdings ist die Auftragsdichte recht unterschiedlich. Gute, konkrete Arbeit ist nicht immer vorhanden. Die Beschaffung von Arbeit gestaltet sich nicht nur wegen der gegenwärtigen, konjunkturellen Entwicklung als schwierig, sondern weil sie ausserdem noch die individuellen Fähigkeiten und das Leistungsniveau der behinderten Belegschaft berücksichtigen muss. Trotzdem unternehmen die Verantwortlichen des Bürozentrums immer wieder bedeutende Anstrengungen, um an geeignete Aufträge heran zu kommen.

Nur rund 400 Meter vom Hauptsitz der Stiftung entfernt liegt ihr Bereich „Wohnen“. Dort an der Schützenstrasse 8 leben meist elektrorollstuhlabhängige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf vier Etagen in einer heimähnlich betreuten Wohngemeinschaft. Selbständiges, eigenverantwortliches Denken und Handeln, Solidarität sowie die grösstmögliche persönliche Entfaltung des Einzelnen sind hier die zentralen Grundwerte, welche es im alltäglichen Zusammenleben zu beachten und zu fördern gilt. Diese zeitgemässe Einstellung trägt viel zu einer guten Partnerschaft zwischen Betreuungspersonal und Betreuten und damit zu einer behaglich offenen
Wohnatmosphäre bei.

Inzwischen darf die manchmal etwas stürmische Pionierphase der Stiftung Bürozentrum als endgültig abgeschlossen gelten. Seit rund drei Jahren amtet auch ein neuer Geschäftsführer in der Stiftung. Heute gehört sie zu den anerkannten Institutionen im Behindertenbereich der Region, und wird auch in Zukunft ihre Daseinsberechtigung behalten und nötigenfalls verteidigen.






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